BDFaktuell 05 / 2018

BDFaktuell 05 / 2018
Forderungen des BDF-Hessen zur Landtagswahl 2018

Die Qualität der hessischen Wälder resultiert aus einer leistungsfähigen Forstwirtschaft. Diese muss mit ausreichendem und hoch qualifiziertem Personal gestärkt werden.

Ein Landeswaldprogramm ist notwendig, in dem, aufbauend auf einer sachgerechten Analyse der prog­nostizierten Entwicklungen in Gesellschaft, Wirtschaft und klimatischen Bedingungen die erforderlichen Maßnahmen dargestellt werden, um die Anpassung der Wälder und den Ausgleich der Interessen fach­gerecht zu gewährleisten.

Rahmenbedingungen

Hessen ist ein waldreiches, aber ansonsten rohstoffarmes Land. Der nachwachsende Rohstoff Holz wird in Hessen nachhaltig in einem intakten Lebensraum produziert und spielt sowohl für die Lebensgemein­schaften als auch für die Versorgung der produzierenden Wirtschaft eine besondere Rolle.

Hessen ist das Bundesland mit dem höchsten Waldanteil (42%). Es verfügt über sehr qualifiziertes Forst­personal und eine flächendeckende Forstverwaltung, die die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung sicherstellt. Der hessische Wald ist im europäischen Vergleich sehr gut erschlossen. Die Holzvorräte sind auf die Waldfläche bezogen sehr hoch und nutzbar.

Die darauf aufbauende Holzindustrie und das Handwerk werden kontinuierlich mit dem Rohstoff versorgt.

Ökologische, touristische, waldpädagogische, klimatische und wasserwirtschaftliche Ziele werden bei der derzeitigen qualifizierten Forstwirtschaft gleichermaßen mitverfolgt und führen zu international anerkann­ten, in besonderer Weise gepflegten Wäldern.

Dieses hohe Niveau der ausgleichenden multifunktionalen Forstwirtschaft ist im Konfliktfeld der Interessen gefährdet und durch personelles und finanzielles Ausdünnen der professionellen Forstverwaltungen be­droht.

1.       Landeswaldprogramm

Der BDF-Hessen fordert ein Landeswaldprogramm als Bestandteil der Landesplanung.

2.       Forstverwaltung

Der BDF-Hessen fordert

  • den Erhalt der Einheitsforstverwaltung und insbesondere des Einheitsforstamts.
  • eine flächendeckende Forstverwaltung und überschaubare Reviere, in denen die Revierleiter die Orts­kenntnis wahren können, als unverzichtbare Grundlage für den Erhalt des hohen Waldniveaus in Hessen.
  • dass in der Auseinandersetzung mit dem Bundeskartellamt mit Nachdruck darauf hingearbeitet wird, die qualifizierte forstfachliche Betriebsführung in allen Waldbesitzarten auf hohem Niveau zu erhalten.
  • die marktgerechte Bündelung des Holzes auch aus dem Privat- und Kommunalwald zu gewährleisten. Eine Lieferantenbeherrschung durch die verarbeitende Industrie in Folge einer Zersplitterung der An­bieterseite muss in der Forstwirtschaft verhindert werden.
  • den Begriff „Forsten“ in Anerkennung der Bedeutung des Waldes und des dort arbeitenden Personals wieder in die Bezeichnung des dafür zuständigen Ministeriums aufzunehmen.

3. Forstpersonal

 
 
Der BDF fordert

  • genügend Fachpersonal zum notwendigen Umbau der Wälder unter Berücksichtigung wissenschaft­licher Erkenntnisse zum Klimawandel.
  • die Erhaltung wertvoller Arbeitsplätze insbesondere im ländlichen Raum. Dies trägt zur Initiative der Landesregierung für den ländlichen Raum bei.
  • einen wirklich nachhaltigen Einstellungskorridor für Forst- und Büropersonal auf allen Ebenen. Dieser muss auf den realistischen Zahlen der Abgänge ohne unrealistische Einsparungsziele festgelegt wer­den.
  • bei Bewährung sachgrundlos befristete Fachkräfte grundsätzlich zu entfristen. Die bisherige Praxis beim Verwaltungspersonal, Fachkräfte nach Ablauf von zwei Jahren auch bei Bewährung nicht weiter zu beschäftigen muss umgehend beendet werden. Fachkräfte brauchen eine Perspektive!
  • die qualifizierte Ausbildung von ausreichendem Fachpersonal durch die Landesforstverwaltung als wichtige Aufgabe des Landes auf allen Ebenen:
    • Forstwirte/-innen
    • Forstwirtschaftsmeister/-innen
    • Verwaltungsfachangestellte
    • Verwaltungsfachwirte/-innen
    • Gehobener technischer Forstdienst
    • Höherer technischer Forstdienst
  • die Wiedereinführung des Beamtenstatus für das Forstpersonal. Durch diese Maßnahme wird gleich­zeitig die Attraktivität des Arbeitgebers Land Hessen gesteigert und Personal gebunden.
  • die Ausstattung des Personals mit zeitgemäßen Arbeitsmitteln.

4. Interessenausgleich durch multifunktionale Forstwirtschaft

Der BDF fordert

  • die Beendigung von Flächenstilllegungen. Flächenstilllegungen dienen nicht dem Interessenausgleich von Naturschutz, Erholung, Wasser- und Holzwirtschaft, sondern bedienen Partikularinteressen.
  • eine ergebnisoffene Hinterfragung der Sinnhaftigkeit einer zusätzlichen Zertifizierung nach FSC.
  • den Schutz des Waldvermögens durch Intensivierung jagdlicher Maßnahmen zu stärken sowie die Ver­besserung der Absatzmöglichkeiten für Wild.
  • ausreichendes, auf die Funktion Waldpädagogik spezialisiertes Personal in der Fläche.
  • verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser aus dem Wald.

 

Stand: 31. März 2019