Archiv BDFaktuell
07-08 / 2009

WIE ALLES BEGANN
60 Jahre Bund Deutscher Forstleute - der Landesverband Hessen gratuliert

von Dr. Manfred Johann BDF Vorsitzender Lehmann

„Hessen vorn“? Dieser Slogan galt nicht immer (und schaut man sich die aktuelle Tariflandschaft an, trifft er auch hier nicht zu): Während der Bund und die meisten Länder schon über funktionierende BDF Organisationen verfügten, zog sich in Hessen die Gründungsphase durch das von den Besatzungsmächten eingeräumte Monopol des Deutschen Gewerkschaftsbunds und die parteipolitischen Verhältnisse lange hin und fand erst 1952 mit starker Unterstützung des BDF Bundesvorstands und dem Vorsitzenden Kurt Lehmann und seinem Stellvertreter Prof. Dr. Alfred Bonnemann seinen – nicht nur vorläufigen – Abschluss. Dies war nicht nur der Beginn der Aufbauarbeit in Hessen, sondern auch einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem BDF Bund sowie dem dbb und dbb-tarifunion.

Die Vorsitzenden und der Vorstand

Es wird den Realitäten nicht gerecht, wenn man in der Geschichte eines rein ehrenamtlich ausgerichteten Berufverbands lediglich den Einsatz der Vorsitzenden würdigt, andererseits ist es auch nicht möglich, alle engagierten Mitglieder, die sich für ihren Berufsverband und ihre Kollegen in verschiedenen Funktionen eingesetzt haben, namentlich zu nennen. Ihnen sei an dieser Stelle für ihre Arbeit gedankt. Der BDF Hessen hat drei Persönlichkeiten dieVorstände BDF-Hessen  1952 - 2009 Ehrenmitgliedschaft verliehen: Hans-Kurt Köhler für 15 Jahre Vorsitz, Rolf Steinbrenner für 28 Jahre Geschäftsführung und Rolf Wagner für die Obmann-Funktion im Vorstand für Bildung und Soziales seit 1980.

Die jüngere Geschichte

Betrachtet man die letzten 10 Jahre, so ist als Glücksfall zu vermerken, dass die Bundesvorsitzenden Ortgies Heider, Bernhard Dierdorf und Hans Jacobs als politisch kluge und engagierte Köpfe nicht nur auf Bundesebene gute Arbeit geleistet haben bzw. noch leisten, sondern stets auch die Geschicke des Landesverbands Hessen begleitet haben. Hier wie auch in anderen Ländern haben sich Entwicklungen in rasendem Tempo vollzogen, die vorher nicht denkbar gewesen wären. Allein schon die nachfolgende Grafik zur Personalentwicklung in Hessen verdeutlicht den Trend.

Die politischen Entwicklungen waren hauptsächlich von permanenter Personaleinsparung, der Einführung der Neuen Verwaltungssteuerung mit Doppik und SAP (Kosten statt veranschlagter 51 Mio. 800 Mio. Euro lt. Der Spiegel 32/2007), der Gründung des Landesbetriebs Hessen-Forst (damit Wegfall der Mittelinstanz) und vor allem von der „Operation sichere Zukunft“ in 2003 geprägt, die einem Drittel der Beschäftigten im Landesbetrieb den angestammten Arbeitsplatz kostete, erneut die Zahl der Forstämter halbierte und die der Reviere um ein Drittel reduzierte; darüber hinaus finden – wenn überhaupt – Neuanstellungen nur noch im Angestelltenverhältnis statt. Gleichzeitig musste in diesen stürmischen Zeiten ein neuer Vorsitzender gefunden und die Struktur des BDF Hessen an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Der Verfasser übernahm daher zunächst in 2004 nur kommissarisch den Vorsitz, um die organisatorische Neuausrichtung des BDF Hessen voran zu treiben und die entsprechenden Satzungsänderungen zu zementieren. In 2005 war dieser Schritt vollbracht mit den Schwerpunkten: Öffnung des BDF für alle Beschäftigtengruppen, Auflösung der Untergliederungen und damit verbundener Konzentration der Kräfte auf einen Vorstand und weit reichende Arbeitsteilung zwischen den Vorsitzenden sowie Delegation von Einzelaufgaben an so genannte „Beauftragte“. Der Vorstand des Landesverbandes umfasst inzwischen 24 engagierte Persönlichkeiten. Diese Organisationsstruktur erlaubt es, auf die zunehmenden Aufgaben, die an einen Berufsverband herangetragen werden, mit ausreichender Kapazität und Flexibilität zu antworten. Ein Schwerpunkt wird künftig die zunehmende Vertretung der Arbeitnehmerinteressen sein. Die guten Kontakte zum dbb-Hessen, spez. im Bereich Rechtsschutz, sind hier sehr hilfreich.

Die Zusammenarbeit mit dem BDF

Bund Politische Entscheidungen und Weichenstellungen werden zunehmend auf EU- und Bundesebene getroffen, bevor sie auf die Länder „durchschlagen“, so dass unsere Interessenvertretung durch eine BDF Vorstandssitzung BDF-Hessen 2009Bundesleitung unersetzlich ist. Aber auch das Verhältnis zu dbb und dbb tarifunion wird in erster Linie auf Bundesebene geprägt. Der BDF  Hessen schätzt sich glücklich, dass hier bei der Neuwahl in 2008 ein schlagkräftiges Team unter Vorsitz von Hans Jacobs gefunden wurde.

 Eine gute Entscheidung war auch die Einrichtung einer professionellen Geschäftsführung in Person von Ines von Keller: Die Koordinierungsaufgaben innerhalb unseres Verbandes sind in unserer komplexen Welt mit ehrenamtlichem Einsatz allein nicht mehr zu stemmen.

Wünschenswert wäre noch eine verstärkte Zusammenarbeit in der Matrixorganisation zwischen Bund und Ländern, wie es die Redakteure von BDF-Aktuell und die Seniorenvertreter vormachen: eine verstärkte direkte Zusammenarbeit von Geschäftsführern, Schatzmeistern, Rechtsschutzbeauftragten etc. könnte Synergieeffekte z. B. in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung, Musterprozesse usw. erbringen, die alle beteiligten Ehrenamtlichen entlasten könnten.

Gratulation

Der BDF Hessen fühlt sich wohl in der Solidargemeinschaft von BDF Bund und den Landesverbänden und wünscht der Bundesleitung weiterhin eine glückliche Hand bei der Bewältigung der Aufgaben, immer eine sensible Antenne für die rasanten Veränderungen im politischen Umfeld und stets den Willen, sich ohne Aufgabe von Standpunkten organisatorisch und inhaltlich flexibel anzupassen, um im Notfall immer ein Stück „schnellerer“ zu sein. Unter diesen Umständen dürfte den nächsten 60 erfolgreichen Jahren im Dienst für den Wald und die in und mit ihm Beschäftigten nichts im Wege stehen.

Stand: 31. März 2019