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01 / 2005

Das verflixte 4. Jahr von HESSEN-FORST

von Michael Küthe

Ein besinnlicher und etwas ironischer Rückblick auf das Jahr 2004

Am 31. Dezember 2004 feierte Hessen-Forst nun schon die Vollendung seines 4. Lebensjahres und geht in sein vorläufig letztes Jahr (Befristung des Gesetzes ist bis 31.12.2005). Die Hoffnungen der Politik haben sich wohl teilweise erfüllt. Bedingt durch die angespannte Holzmarktlage schreibt Hessen-Forst in der Jahresbilanz zwar noch keine schwarze Null, da der Wirtschaftsbetrieb auch noch die hoheitlichen Landesaufgaben mitfinanzieren muss, die Defizitseite hat sich jedoch bereits erheblich reduziert.

Aber wie bewerten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vier Jahre Hessen-Forst?

Ein Rückblick auf die ersten 2 ½ Jahre erscheint nach den Ereignissen des letzten Jahres fast bedeutungslos. Über den zentralen Standort in Kassel und die Mietkosten (werden durch die Einsparung von vier Stellen gedeckt) im Glaspalast gegenüber des ICE-Bahnhofes, lohnt es sich nicht nachzudenken, diese Kosten sind im Vergleich zu den angestrebten Kosteneinsparungen fast lächerlich.

Der Ruf „ab nach Kassel“ aus der Zeit der amerikanischen Befreiungskriege kommt zwar gelegentlich in Erinnerung, erscheint aber den Verantwortlichen durchaus gar nicht passend. Bei dem „Verkauf von Soldaten nach Amerika“ wurden junge hessische Männer außer Landes gebracht und neue Einnahmequellen erschlossen, um Staatsdefizite abzudecken.

Wir dürfen in Hessen bleiben, keiner wird des Landes verwiesen.

Doch betrachten wir die aktuelle Situation, insbesondere das Betriebskapital. Ein Teil des Kapitals ist der Wald, in dem Generationen von hessischen Forstleuten durch intensive Pflege und moderate Nutzung einen enormen Holzvorrat (Quantität und Qualität) aufgebaut haben. Diesen „Übervorrat“ gilt es nun zielbewusst ab- und umzubauen, Massenware ist gefragt, damit wir auf dem Weltmarkt konkurrieren können, Qualität und Dimensionen lassen sich angeblich heute nicht mehr verkaufen.

Zum Glück haben wir dazu inzwischen Maschinen und brauchen die pflegeanfälligen Forstwirte nur noch in geringem Umfang. Maschinen haben zudem längere Laufzeiten und arbeiten auch bei Regen und Schnee ununterbrochen weiter. Zusätzlich spart man die Anschaffung von Wetterschutzwagen -endlich brauchen die Waldarbeiter diese schwere Arbeit nicht mehr durchzuführen, können ihre Gesundheit schonen und sinnvoller in anderen Berufen tätig werden.

Ein weiterer Teil des Betriebskapitals besteht in den eigenen Immobilien, den Forstamtsgebäuden und den Revierleiterdienstgehöften. Ein großer Schritt zur Wirtschaftlichkeit ist es, sich von unnötigem Ballast zu trennen, kosten diese Gebäude doch Unterhaltung und verursachen zusätzlich durch ihre Heizanlagen schädliche Umweltbelastungen. Ein Drittel weniger Forstgebäude wird die Umweltbilanz der Bundesrepublik deutlich verbessern. Also weg mit dem Überschuss, verkaufen wir das Tafelsilber, dann wird das Ganze auch erheblich übersichtlicher.

Der überflüssigste Teil in diesem Betrieb aber sind die vielen Menschen. Mit gutem Beispiel geht das Land Hessen als Arbeitsplatzvernichter voran, bei über 4 Mill. Arbeitslosen in Deutschland sind 9.000 Landesbedienstete doch kaum erwähnenswert, sind dies doch nur 0,2 %. Wer redet schon über 600 überflüssige Forstwirte und mehr als 200 frustrierte Förster, die ihr teilweise schon über 20 Jahre betreutes Revier, dies gilt für Waldarbeiter in gleicher Weise, künftig nicht mehr bewirtschaften dürfen. Sie können ja sonntags mit ihren Familien kostenlos darin spazieren gehen und in Erinnerungen schwelgen. Die fehlende Zukunftsperspektive des forstlichen Nachwuchses sei nur am Rande erwähnt. Ein leistungsstarker Betrieb braucht keine unerfahrene Jugend, die Fehler machen kann und auch keine überalterten Mitarbeiter, die werden auch mal krank und kosten nur Geld. Einen Motivationsverlust in der Forstpartie hat es in diesem Umfang noch nie gegeben, man könnte fast der „Unternehmenskultur des Frühkapitalismus“ nachtrauern.

Es fällt etwas schwer, jungen Menschen Mut zu der Berufswahl eines Försters oder Forstwirtes zu machen. Ganz pessimistisch darf man wohl die Zukunft nicht sehen, denken wir daran, dass der Wald nicht den Menschen, aber der Mensch den Wald braucht.

Viele verlieren zwar ihren Arbeitsplatz, aber wir dürfen in Hessen bleiben, keiner wird des Landes verwiesen.

Stand: 31. März 2019