Archiv BDFaktuell
1998

Indianerrede

von Peter Schönke

(Einleitung JHV 1998 des BDF in Butzbach; Gastreferent war Herr Staatsminister Bökel)

Hugh!

Mein Herz ist mit Trauer erfüllt, wenn ich um mich blicke und meine Stammesbrüder in ihrem jetzigen Zustand sehe.

Einst waren wir, das Volk der Waldindianer, so zahlreich wie die Blätter an den Bäumen unserer Wälder. Die Stämme von BDF und IG BAU haben in friedlichem Nebeneinander die Wälder und die darin lebenden Tiere gepflegt, genutzt und geschützt. Wir haben stets den Versprechungen unseres Weißen Vaters aus Fort Wiesbaden vertraut. Wir haben verhandelt und das Kriegsbeil nicht ausgegraben. Als Gegenleistung erhielten wir aber nur wertlose Dinge wie zerbrochene Spiegel, bunte Glasperlen und alte Wolldecken.

Gleichzeitig wurden einige Dörfer aufgelöst und viele unserer Wigwams verschachert. Für die verbleibenden Zelte haben wir nicht mehr genug Felle, um den nächsten Winter zu überstehen. Welchen Worten dürfen wir zukünftig also noch vertrauen?

Der Große Geist hat seine Kinder des Waldes scheinbar vergessen. Jetzt sind wir immer weniger, weil wir die jungen tapferen Krieger, die aus den Grasländern zurück in den Wald kommen, nicht mehr in unseren Stamm aufnehmen dürfen. Unsere Medizinmänner und Schamanen haben schon seit vielen Monden keine Visionen mehr. Der Weiße Hirsch ist ihnen lange nicht mehr erschienen!

Der Rat der Stammesältesten ist vom Rauch der vielen Friedenspfeifen benebelt. Die älteren Krieger haben kein Vertrauen mehr in unsere Häuptlinge. Aus unseren Zelten erklingen Klagelieder zum dumpfen Rhythmus der Buschtrommeln, statt fröhlicher Gesänge.

Wie ein Lauffeuer hat sich die Kunde verbreitet, dass wir von Bleichgesichtern aus unseren angestammten und gesetzlich zugesicherten Wäldern vertrieben werden sollen. Die heimkehrenden Boten berichteten uns auch von Stammesmitgliedern, die sich mit den Bleichgesichtern verbrüdert haben!

Wir aber wollen uns nicht in ein staatliches Reservat mit schlechten Lebensbedingungen zurückziehen und unsere Leiden mit billigem Alkohol erträglicher gestalten. Einige Wortführer dieser Bleichgesichter sind heute in friedlicher Absicht zu diesem Palaver gekommen. Ich bewundere ihren Mut und sichere ihnen deswegen freies Geleit zu!

Daher hört auf mich, ihr Stammesbrüder von BDF und IG BAU. Ein einziger Zweig bricht leicht, aber ein Bündel Zweige ist stark. Wir müssen deshalb mit vereinten Kräften für unsere Sache streiten!

Schwarze Gewitterwolken brauen sich über dem Himmel der Waldindianer zusammen und verkünden Unheil. Wir haben den großen roten Bruder deshalb gebeten, die weite Reise aus Fort Wiesbaden auf sich zu nehmen und an unserem Ratsfeuer unsere Herzen froh und zuversichtlich zu stimmen.

Wie lange können wir ohne erkennbare Erfolge noch verhandeln, ohne unser Gesicht dabei zu verlieren? Wie wird der Wald aussehen, wenn wir uns in die staatlichen Reservate zurückziehen müssen? Werden die Bleichgesichter nur ihren kurzfristigen Profit sehen und unsere Wälder ausplündern? Wir haben Angst vor einem Holzrausch, der die Pflege und den Schutz des Waldes vernachlässigt!

Wenn der letzte vom Stamm der Waldindianer verschwunden sein wird, wer ist noch da, um zu trauern? Niemand!

Darum bedenke Deine folgenden Worte wohl, großer Häuptling!

Ich habe fertig! Hugh!

Stand: 31. März 2019