BDFaktuell 11 / 2017

BDFaktuell 11 / 2017
Arbeitsbefristungsfalle bei Hessen-Forst - Das Teilzeit- und Befristungsgesetz

Der Vorstand

 

Der BDF gratuliert ganz herzlich den Absolventen der Laufbahnprüfung 2017-II zur bestandenen Prüfung 

Foto: Werner Schaaf

Seit einiger Zeit werden freie Stellen im mittleren Verwaltungsdienstbei Hessen-Forst nur noch befristet ausgeschrieben. Bisher unbefristete und feste Arbeitsplätze verwandeln sich in „Wackelarbeitsplätze“, denn die Verträge werden unabhängig vom Vorliegen eines sog. sachlichen Grundes (z.B. Schwangerschaft) befristet. Die Befristung kann insgesamt auf 2 Jahre verlängert werden, danach heißt es gemäß § 14 des TzBfG´s (Teilzeit- und Befristungsgesetz): Hire oder Fire (= unbefristet weiterbeschäftigen oder das Arbeitsverhältnis beenden).

Um sich volle Flexibilität in diesem Arbeitnehmerbereich zu erhalten, wählt Hessen-Forst die Variante „FIRE“. Und damit nicht genug: Betroffene Beschäftigte dürfen sich nämlich nicht mehr auf ein befristetes Arbeitsverhältnis des gleichen Arbeitgebers bewerben, hier legt das TzBfG eine nicht weiter ausgeführte Sperrfrist fest.

Die Dummen sind in der Regel Frauen mit einer Entgeltgruppe von EG 5 oder EG 6, meist noch in Teilzeit beschäftigt. Und die Voraussetzungen, unter denen sie dieses Arbeitsverhältnis begründet haben, wurden ihnen auch nicht vorher mitgeteilt. Wer hat von diesem Gesetz schon mal gehört?

Die Auswirkungen sind fatal: Die Betroffenen werden nicht in dem sogenannten familienfreundlichen Betrieb aufgefangen. Das Zertifikat von Hessen-Forst heißt übrigens „Pro Resilienz“ – ein Hohn. Rentenansprüche, gerade auch in der Zusatzversicherung, können  nicht kontinuierlich aufgebaut werden. Die Personen wurden mit viel Einsatz und Aufwand von einem in der Regel bereits gelichteten Forstamtsteam eingearbeitet, teilweise in sehr spezielle Aufgabengebiete. Sobald der „Karren“ rund läuft, müssen diese Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wieder gehen – ist das betriebswirtschaftlich sinnvoll? Oder motivationsfördernd für das Forstamtsteam? Wer kann glauben, dass nach dem zweiten oder dritten Mal noch eine gute Einarbeitung neuer befristeter Teammitglieder erfolgt? Und ist dieses Handeln nicht auch unglaublich reputationsschädigend für Hessen-Forst? Hinzu kommt, dass jeder, der von diesen Aussichten während seines befristeten Beschäftigungsverhältnisses hört, sich so schnell wie möglich wegbewirbt. So sind schon in einigen Forstämtern Stellen wieder vakant geworden, bevor die Befristung abgelaufen war. Die Verbliebenen dürfen dann erneut die vakanten Sachbereiche vertreten, bis zum wiederholten Mal ein kosten- und zeitintensives Einstellungsverfahren durchgeführt wurde.

Dabei wird der Absicht des Teilzeit- und Befristungsgesetzes zuwider gelaufen, denn die befristeten Arbeitsverhältnisse sollen nach dem Willen des Gesetzgebers auf ein geringstmögliches Maß zurückgefahren werden. Davon ist derzeit bei Hessen-Forst nicht die Rede.

Der BDF-Hessen fordert den Landesbetrieb Hessen-Forst auf, keine befristeten Arbeitsverhältnisse mehr ohne sachlichen Grund abzuschließen und seiner Vorbildfunktion als Teil des Landes Hessen gerecht zu werden. Die Arbeitsplätze müssen unbefristet und mit Perspektiven ausgestaltet sein. Nur dann kann Hessen-Forst als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden.
 
Hintergrundinformation § 14 TzBfG
(2) Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes ist bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig; bis zu dieser Gesamtdauer von zwei Jahren ist auch die höchstens dreimalige Verlängerung eines kalendermäßig befristeten Arbeitsvertrages zulässig. Eine Befristung nach Satz 1 ist nicht zulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber bereits zuvor ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat. Durch Tarifvertrag kann die Anzahl der Verlängerungen oder die Höchstdauer der Befristung abweichend von Satz 1 festgelegt werden. Im Geltungsbereich eines solchen Tarifvertrages können nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Anwendung der tariflichen Regelungen vereinbaren.
 

BDFaktuell 11 / 2017
Landesjugendtag für Kurzentschlossene

Lukas Rippl(Landesjugendleiter) Johannes Türk (stellv. Landesjugendleiter) Dr. Gero Hütte-von Essen (Landesvorsitzender)

Die Landesjugendleitung lädt alle Mitglieder des BDF und deren Angehörige, sowie alle am BDF-Interessierten bis ca. 35 Jahre (Junge Forstleute) zum Landesjugendtag im Nationalpark Kellerwald-Edersee vom 24.-25.11.2017 ein.
Das Programm selbst ist kostenfrei. Lediglich für die Unterkunft und die Verpflegung fallen Kosten an.
 
Die Anforderungen der Bevölkerung an den Wald sind im Wandel. Während früher hohe Erträge und eine gute Jagd im Fokus gestanden haben, nimmt heute der Prozessschutz eine entscheidende Rolle bei der Betriebsplanung ein.
Auf Grund des hochaktuellen Themas haben wir uns für eine Exkursion in den Nationalpark Kellerwald-Edersee entschieden. Bei dieser Exkursion sollen die sozioökonomischen Folgen einer Nationalparkausweisung neutral erklärt werden. Die Exkursion endet gegen 18 Uhr. Anschließend wird der Abend mit einem gemütlichen Beisammensein und Abendessen in einem nahe gelegenen Hotel abgerundet.
Am nächsten Tag findet für Interessierte ein Morgenansitz im FA Vöhl statt. Am weiteren Samstag-Vormittag zeigt FAL Dr. Hütte die Naturschutzstrategie des Forstamts in Ergänzung zur Strategie des Nationalparks sowie anschließend die besondere Zielsetzung eines Privatwaldes in der Bewirtschaftung mit Abies grandis und Abies procera. Je nach Teilnehmerwunsch kann alternativ ein Bogenschießen auf dem 3D-Bogenparcours im Forstamt angeboten werden.
 
Wer noch kurzfristig Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich mit dem Landesjugendleiter Lukas Rippl in Verbindung setzen, um Programmdetails und Übernachtungsmöglichkeiten zu erfahren.
(E-Mail-Adresse: L.Rippl[at]gmx.de)


 

Stand: 29. Mai 2018