BDFaktuell 09 / 2017

BDFaktuell 09 / 2017
BDF-Vorstand führt Gespräch mit der Landesbetriebsleitung

Der Vorstand

 
BDF-Vorstand bei der Landesbetriebsleitung, v.l.n.r.: Werner Schaaf, Hans-Dieter Treffenstädt, Michael Gerst, Sigrun Brell, Dr. Gero Hütte-von Essen

Foto: N.N.
 

Am 24.7.2017 fand ein Gespräch zwischen dem Vorstand des BDF-Hessen und der Landesbetriebsleitung in Kassel statt. Der Vorsitzende Dr. Gero Hütte-von Essen und die stellvertretenden Vorsitzenden Sigrun Brell und Werner Schaaf hatten etliche Themen mitgebracht, um sie mit dem Landesbetriebsleiter Michael Gerst und  dem Leiter der Abteilung 1 Personal und Finanzen,  Hans-Dieter Treffenstädt zu besprechen.

Nach der Begrüßung brachte Dr. Hütte-von Essen zum Ausdruck, dass der BDF besorgt auf die Bereiche Naturschutz und Waldpädagogik blickt. Deshalb habe man auch die auf der Jahreshauptversammlung im April verabschiedete Resolution dazu auf den Weg gebracht und damit vielen Mitgliedern und Bediensteten aus dem Herzen gesprochen.

Herr Gerst versichert den anwesenden BDF-Vertretern, dass von Seiten der Landesbetriebsleitung diese Aufgabenbereiche als sehr wichtig angesehen werden. Derzeit laufe im Rahmen einer KVP-Arbeitsgruppe „Naturschutz“ eine Ist-Analyse des Aufgabenumfangs und der notwendigen Personalkapazität anhand einer Kennzahlerhebung auf Forstamtsebene. Man werde auf jeden Fall die personellen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, um dieses Aufgabenspektrum - gemäß seines hohen Stellenwertes-  auch zukünftig hochwertig abdecken zu können. Im Bereich Waldpädagogik sollen möglicherweise Aufgaben konzentriert  und zertifizierte, externe Waldpädagogen stärker eingesetzt werden.

Der BDF regt an, auch eine KVP Arbeitsgruppe „Waldpädagogik“ ins Leben zu rufen, um die zukünftig notwendige Personalstärke  anhand von Kennzahlen zu ermitteln. Ob tatsächlich externe Waldpädagogen in genügender Anzahl zur Verfügung stehen und diese gleichwertig die Inhalte einer nachhaltigen Forstwirtschaft bzw. einer nachhaltigen Bildungsentwicklung vermitteln, bleibt abzuwarten. Die Vertreter des BDF legten als zweites den Fokus des Gespräches auf die Perspektiven für den mittleren Verwaltungsdienst. Nach Meinung des BDFs darf diese Berufsgruppe nicht weiter als Stiefkind des Landesbetriebes behandelt werden. Die Umfrage, die der BDF Ende des vergangenen Jahres unter den betreffenden Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gestartet hat, zeigt im Ergebnis, dass sich diese Berufsgruppe abgehängt fühlt. So fehlen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten und insbesondere Aufstiegschancen und Perspektiven.

Nach Aussage der Herren Gerst und Treffenstädt sind Aufstiegschancen nur über eine Änderung des Tarifs zu schaffen. Ein Haustarif wäre für den Landesbetrieb HessenForst rechtlich nicht möglich. Immerhin würden jedes Jahr zwei Ausbildungsstellen für die Ausbildung zum/r Verwaltungsfachangestellten angeboten. Damit läge man bereits über dem Bedarf. Einen generellen Voranbau von Verwaltungsfachwirten als Aufstiegsvoraussetzung zur Büroleitung lehne man ab. Angedacht sei die vorgezogene Stellenbesetzung im jeweils konkreten Einzelfall mit einer Verwaltungskraft, ähnlich dem Konstrukt in der Forstwirtschaftsmeisterausbildung. Die Fortbildung würde sich dann an die vorgezogene Stellenbesetzung anschließen und deren Kosten und Freistellungen durch den Landesbetrieb übernommen.

Der BDF forderte die Landesbetriebsleitung auf, einen Katalog von Tätigkeitsbeschreibungen höherwertiger Tätigkeiten für die Verwaltungsfachangestellten zu entwickeln, um diesen mittelfristig Perspektiven zu öffnen. Der BDF befürwortet die Einführung der bisher nicht möglichen Entgeltgruppe 7 für Bedienstete, die entsprechende Tätigkeiten ausführen und wird hierzu über die Tarifkommission des dbb eine Ergänzung/Änderung der Entgeltordnung initiieren. Bezüglich der stellvertretenden Büroleitungen schlägt der BDF eine generelle Eingruppierung in die EG 9 vor. Die Besetzung von Büroleitungen mit ausgebildeten Förstern/Försterinnen lehnt der BDF bis auf Ausnahmen ab, zum einen um Perspektiven für Verwaltungsangestellte und Verwaltungsfachwirte/innen zu erhalten, zum anderen, weil diese Ausbildungsrichtung an anderen Stellen des Landesbetriebes nötiger gebraucht wird.

Der BDF hält die Haltung der Landesbetriebsleitung zum Voranbau von Büroleitungsstellen für deutlich verbesserungswürdig. Das dargelegte Modell funktioniert nur für planmäßige Abgänge. Für unplanmäßige Abgänge wird keine Vorsorge getroffen. Zudem lässt man außer Acht, dass Bedienstete, die erst im Moment der Stellenbesetzung ihre Fortbildung beginnen, nicht zu 100 Prozent ihrer Zeit - möglicherweise sogar einem neuen Forstamt - zur Verfügung stehen. Eine Überlastung dieser Kolleginnen und Kollegen ist vorprogrammiert, der Ablauf im betroffenen Forstamt bleibt gestört. Ein weiterer Punkt ist die mangelnde zeitnahe Perspektive für gute, junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese wechseln vorzeitig zu anderen Arbeitgebern, bei denen sie oftmals auch mehr als bei Hessen-Forst verdienen.

Der BDF legte seinen Wunsch dar, dass Hessen-Forst weiterhin im Verwaltungsbereich ausbildet und Kompetenz zeigt. Die Landesbetriebsleitung führt demgegenüber aus, dass die Ausbildung für den Forstbereich Vorrang besitzt, weil Hessen-Forst dort ein „Ausbildungsmonopol“ hat. Verwaltungstätigkeiten ließen sich einkaufen. Zudem sei der Bedarf an Verwaltungsmitarbeitern/innen sinkend. Ein Bespiel dafür sei der jetzt eingeführte eKRW-Prozess. Weitere Zentralisierungen und forstamtsübergreifende Funktionalisierungen seien geplant. Eine gesamtbetriebliche Bedarfsanalyse im Bereich Verwaltung werde von Seiten der Landesbetriebsleitung jedoch nicht geplant. Der Einzelbedarf an Personalkapazität im Verwaltungsbereich werde ausschließlich im Forstamtspersonalkonzept abgehandelt. Eine gesamtbetriebliche Bedarfsanalyse stünde konträr zum Modell der „lernenden Organisation“, welches von der LBL vertreten werde.

Der BDF hält weiterhin eine Gesamtbedarfsanalyse im Verwaltungsbereich für unverzichtbar. Die Aufgaben, die in diesem Berufszweig erledigt werden, unterscheiden sich deutlich von denen vor 20 Jahren. Zudem sind insbesondere in den letzten Jahren in erheblichem Maße Aufgaben hinzugekommen. Diese fallen zu großen Teilen in den Bereich der Sachbearbeitung und haben mit den früheren einfachen Schreib- oder Registraturarbeiten nichts mehr zu tun. Die heutige Personalausstattung sei historisch bedingt und spiegele in vielen Forstämtern nicht mehr den eigentlichen Bedarf an Kapazität wieder.

Abschließend gaben die Herren Gerst und Treffenstädt noch Auskunft über die Einstellungszahlen. So konnten 3 von 10 ausgebildeten Referendaren übernommen werden, evtl. werden es sogar noch 4. Im gehobenen Dienst sei man mittlerweile in der Lage, bis zu 10 unbesetzte Beamtenstellen in die Anwärterausbildung umzuleiten, wenn es sich um gute Jahrgänge handele.  Dieses bedeutet, dass es je nach Bewerbersituation bis zu 20 Einstellungen pro Termin von Anwärtern für den gehobenen Forstdienst geben kann. So könne man dann aus einem größeren Auswahlpool bei anstehenden Einstellungen schöpfen. Die Verlässlichkeit des Arbeitgebers als Attraktivitätsmerkmal wird hervorgehoben.

Der BDF führt dazu aus, dass sich strenge Notengrenzen bei der Übernahme von Bewerbern und Bewerberinnen als unflexibel erwiesen haben und plädiert für eine Lockerung. Die Rechtssicherheit müsse dabei selbstverständlich gewährleistet bleiben.

Der BDF-Vorstand bedankte sich nach dem zweistündigen Gespräch bei den Herren Gerst,  Treffenstädt und Wirxel für die offene Atmosphäre.

Der Vorstand

BDFaktuell 09 / 2017
Wild West im Hessischen Wald   Illegales Mountainbiking führt Hessisches Waldgesetz ad absurdum

Der Vorstand

MTB Trail mit Bauwerk
Zerstörte Absperrung auf MTB Trail

Fotos: Sebastian Gräf

Wer derzeit in hessischen Wäldern unterwegs ist, wird nicht lange brauchen, um Fahrradfahrer abseits der Waldwege zu finden. Ganz besonders in den Hanglagen des Taunus und der Bergstraße ist das Illegale Downhillfahren zum Massensport geworden. Es wird gefahren wo die Schwerkraft die Fortbewegung ermöglicht. Zu allen Tages und Nachtzeiten, vom tiefsten Winter bis zum längsten Tag. Stirnlampen und sogenannte Fatbikes ermöglichen das Fahren mitten in der Nacht und bei Matsch und Schnee. Die sogenannten Trails sind ausgefahren und befestigt wie Rodelbahnen (Bild 1). Dabei handelt es sich nicht um ein paar sportbegeisterte Jugendliche. An den Wochenenden strömen tausende Adrenalinjunkies in die Wälder und suchen den Kick. Je steiler und schwieriger die Abfahrt, desto besser. Rücksichtnahme auf Natur, Landschaft und andere Waldbesucher kennen diese Egomanen nicht. An die Folgen, wie Bodenverwüstung und Erosion, Zerstörung der Bodenvegetation, Störung der heimischen Tier- und Vogelarten, insbesondere in der Brut- und Setzzeit und innerhalb lebensnotwendiger Rückzugsräume, denkt niemand.

Die individuelle Freiheit scheint bei Downhillfahrern das höchste Gebot zu sein! Offizielle Downhillstrecken und Flow-Trails sind angelegt, scheinen aber dem „Freizeit-Vollprofi“ nur zum Aufwärmen zu dienen.

Dabei regelt das Hessische Waldgesetz klar das Fahrradfahren im Wald. Nach § 15 HWaldG dürfen nur Waldwege befahren werden, die mit Zustimmung des Waldbesitzers angelegt wurden und die eine gefahrlose Begegnung von Waldbesuchern ermöglichen. Damit sind nach unserer Auffassung befestigte Wege gemeint, die ganzjährig mit LKW befahren werden können, sowie naturfeste Wege die noch mit Auto befahrbar sein sollten. Ein Befahren von Waldflächen außerhalb von Wegen ist nicht gestattet. Rückegassen, Maschinenwege und Pirschpfade fallen definitiv nicht darunter. Nach § 29 HWaldG stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit Geldstrafen von bis zu 1.000 € geahndet werden.

Doch die Realität sieht anders aus. Der Vollzug durch die Forstbehörden und die Waldbesitzer findet faktisch nicht statt.

Erste Versuche, illegales Mountainbiken einzudämmen, sind im Sande verlaufen. Schilder und Absperrungen werden systematisch abgerissen und zerstört (Bild2). OWI-Verfahren laufen schleppend und werden meist eingestellt. Mit Unterstützung von Polizei und Ordnungsbehörden ist aus Kapazitätsgründen nicht zu rechnen.

Ein Problembewusstsein bei den oberen und der obersten Forstbehörde ist nicht zu erkennen.

Forstämter und Waldbesitzer fühlen sich bei diesem Thema von der Hoheitsverwaltung im Stich gelassen.

Das massive und hemmungslose Downhillfahren im Wald stellt das Hessische Waldgesetz in Frage und die Umweltverwaltung muss beantworten, welchen Wert ein Gesetz hat, dessen Regelungen nicht vollzogen werden.

Bei den betroffenen Förstern entsteht immer mehr der Eindruck der Wald wird zum rechtsfreien Raum?!

Der BDF Hessen wird sich dem Thema widmen und über die Personalvertretung und direkt bei den Vertretern der Waldbesitzer und der Leitung des Umweltresorts für Klärung sorgen.


 

Stand: 15. November 2017