BDFaktuell 11 / 2014

BDFaktuell 11 / 2014
Laufbahnprüfung gehobener Forstdienst - Freudige Gesichter nach der Laufbahnprüfung

von Werner Schaaf

Die Anwärter vor dem Eingang des Forstamtsgebäudes in Burgjoß
Foto: Werner Schaaf
Am 18. September ging mit der mündlichen Prüfung und der Waldprüfung die diesjährige Laufbahnprüfung für den gehobenen Forstdienst im Forstamt Joßgrund zu Ende. Alle 21 Absolventen haben bestanden!

Daher gab es auch nur freudige Gesichter zu sehen. Besonders erfreulich: 17 bekommen ein Angebot für eine Beschäftigung in der Hessischen Landesforstverwaltung, die überwiegende Zahl im Landesbetrieb Hessen-Forst.

Besonderes Lob und besonderen Dank gab es bei der Verabschiedung für den BDF: Die vom BDF durchgeführte Prüfungssimulation wurde sehr positiv gesehen und hat offenbar vielen geholfen, entspannter in den Prüfungsmarathon zu gehen.

Der BDF gratuliert auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlich und wünscht allen einen guten Start.

 

BDFaktuell 11 / 2014
Duales Forststudium in Hessen - Offene Fragen des BDF

von Dr. Gero Hütte-von Essen

Anschreiben mit Fragen zum Dualen Studium:

Sehr geehrter Herr Gerst,

der BDF-Hessen stimmt Ihnen in der Lagebeurteilung zu: Hessen-Forst muss die Herausforderung meistern, die große Zahl von Personalabgängen im gehobenen und höheren forsttechnischen Dienst durch Neueinstellungen zu kompensieren. Dieses gilt auch für alle anderen Forstverwaltungen. Der Wettbewerb „um die besten Köpfe“ hat begonnen.

Neben der Steigerung der Attraktivität eines Beschäftigungsverhältnisses bei Hessen-Forst kommt dabei der Personalgewinnung und –bindung eine erhebliche Rolle zu. Ein Baustein dazu ist, optimierte Alternativen zu den heutigen Studienformen und Beschäftigungsverhältnissen zu suchen.

Das Positionspapier des BDF-Hessen vom Februar 2012 enthält hierzu vorausschauende Ansätze mit Vorschlägen  und  Forderungen zu einer nachhaltigen Personalpolitik. Unter Position 5 des Papiers wurde ein  Duales Studium für den gehobenen forsttechnischen Dienst gefordert. Der BDF-Hessen begrüßt es, dass diese Forderung durch die Landesbetriebsleitung aufgegriffen wurde und gegenwärtig konzeptioniert wird.

Bei Hinterfragen des bisher Bekanntgewordenen ergeben sich für die Mitarbeiter eine Reihe von Fragen, die wir Ihnen stellvertretend hiermit stellen wollen. Damit verbunden ist die Hoffnung, das im Kern von uns vorgeschlagene und damit gewollte Ziel durch Verbesserungen am Konzept noch attraktiver zu machen:

  1. Warum wird keine Kooperation  mit einer bestehenden forstlichen  Hochschule angestrebt mit den Vorteilen der gemeinsamen Nutzung von Lehrkapazität, Bibliotheken, bestehender forstlicher Infrastruktur, der Möglichkeit des Masterstudiums, der professoralen Netzwerke usw.?
  2. Welche Studentenzahlen sind geplant?
  3. Welche Zugangsvoraussetzungen sollen bestehen? Wird das Studium auch den Forstwirtschafts-meistern offen stehen? Gibt es Auswahltests oder wird nach Abschlussnote ausgewählt? Wer entscheidet über die Aufnahme eines Studierenden – Ministerium, Hessen-Forst, Fachhochschule?
  4. Welches Beschäftigungsverhältnis wird während des Studiums bestehen? Ist geplant, wie beim Dualen Studium der Allgemeinen Verwaltung ein Beamtenverhältnis auf Widerruf zu begründen?
  5. Wann beginnt die Dienstzeit zu zählen (mit Relevanz für Dienstjubiläen und Pension/Rente)
  6. Welche Vergütung wird gezahlt? Sind Vergütung und Beschäftigungsverhältnis ausreichend, um auch den Forstwirtschaftsmeistern einen Anreiz zu bieten?
  7. Wie lange soll das Studium dauern? Welche Praxisphasen sind mit welcher Dauer geplant?
  8. Für wie lange muss sich der Student/die Studentin bei Hessen-Forst verpflichten?
  9. Welche „Ausstiegszenarien“ gibt es?
  10. Werden alle Absolventen/Absolventinnen übernommen, oder gibt es Ausschlusskriterien?
  11. Wird der Abschluss bundesweit anerkannt?
  12. Ist dem Absolventen im Anschluss ein Masterstudium ohne finanzielle Nachteile möglich?
  13. Erfolgt eine Abstimmung der Lehrpläne/Studieninhalte mit anderen Hochschulen?
  14. Gibt es Kooperationen mit anderen (forstlichen) Hochschulen?
  15. Wer wird mit der Lehre der Forststudenten/-studentinnen betraut? Wie viele Personen wird Hessen-Forst als Dozenten zur Verfügung stellen?
  16. Wer wird mit der Begleitung der Studierenden im Praktikum betraut? Wird es weiterhin bestellte ausbildende Revierleiter geben?
  17. Ist eine Befristung des Dualen Studiums vorgesehen, oder wird dieses auf unbestimmte Dauer angelegt?
  18. Wird die Jägerprüfung mit angeboten bzw. kann diese im Studium mit absolviert werden?
  19. Gibt es eine Probezeit –während/nach dem Studium? Falls ja, wie lange soll diese dauern und beruht diese auf Gegenseitigkeit?
  20. Werden weiterhin auch externe Bewerber/Bewerberinnen eingestellt? Falls ja, welches Zahlenverhältnis wird angestrebt?
  21. Bestehen Absprachen mit anderen Landesforstverwaltungen bezüglich einer möglichen Übernahme der Absolventen oder gilt der Abschluss nur für Hessen?
  22. In welchem Beschäftigungsverhältnis erfolgt die Einstellung nach dem Studium?
  23. Nach welchen Vergütungs-bzw. Entgeltgruppen  werden “Interne“ und ggf.“ Externe“ bezahlt?
  24. Welche Tätigkeiten können/sollen im Anschluss an das Studium ausgeübt werden?
  25. Wann und wie wird die Laufbahnbefähigung erworben? Wie lange dauert der Regelzeitraum von Beginn des Studiums bis zum Erwerb der Laufbahnbefähigung?
  26. Wird diese Laufbahnbefähigung von anderen Bundesländern anerkannt?
  27. Wie wird gewährleistet, dass die Personen, die den Weg des Dualen Studiums in Hessen gehen, fachlich „über den Tellerrand“ blicken können, um nicht zu provinziell zu werden?

Was meinen die BDF-Mitglieder?

Zu Ihrer Information zum derzeitigen Diskussionsstand im Verband, möchte ich Ihnen die Meinungsbilder der Jahreshauptversammlung 2014 („Fit für die Zukunft – BDF 2.0“) mitteilen:

  • Grundsätzlich wird ein duales Studium als sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Studiengängen gesehen, um insbesondere einen zusätzlichen Personalbedarf befriedigen zu können. Es verbindet sowohl finanzielle Sicherheit, als auch zuverlässige Perspektive auf eine dauerhafte Beschäftigung mit Bindungswirkung. Ein duales Studium wird sicher mehr junge Leute für den Beruf interessieren.
  • Die Frage der „frühzeitigen“ Entscheidung für eine Beschäftigung bei Hessen-Forst kann positiv oder auch negativ sein.
  • Wichtig ist die Frage einer länderübergreifenden Anerkennung des Studienabschlusses.
  • Das Studium sollte an einer bestehenden forstlichen Hochschule stattfinden. Der Austausch mit anderen Forststudenten/-studentinnen - und die „freie Lehre“ ist den jungen Leuten wichtig.
  • Es gibt Befürchtungen einer zu einseitigen Ausrichtung auf Hessen-Forst (Provinzialität).
  • Die Praxistätigkeit in der vorlesungsfreien Zeit wird positiv gesehen, aber auch als sehr „stressig“ empfunden. Es stellt sich auch die Frage, wer dann die Studenten/Studentinnen betreut.
  • Die Laufbahnprüfung muss beibehalten werden, insbesondere um einen weiteren Abschluss zu erlangen, der auch erweiterte Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet. (Ein Trainee, wie in manchen anderen Bundesländern wird als nachteilig angesehen. Gerade wegen des Vorbereitungsdienstes haben sich viele in Hessen beworben.)
  • Es gibt Befürchtungen mit 21/22 Jahren ins „kalte Wasser“ geworfen zu werden.
  • Es wird tlw. als nachteilig angesehen, dass nach dem Studium keine „Auszeit“ oder „Reisezeit“ genommen werden kann.
  • Eine zu kleine Zahl von (Forst)Studenten/Studentinnen wird als nachteilig angesehen.

Wie positioniert sich der BDF-Hessen?

Der BDF sieht sich als Ideengeber – wie im Positionspapier dargestellt - und begrüßt daher grundsätzlich die Einführung eines dualen Studiums als Ergänzung zu den bisherigen Ausbildungsgängen: „Es kommt darauf an, was man daraus macht!“

Der BDF-Hessen sieht aber auch noch große Nachteile, die das Duale Studium in der derzeit kommunizierten Form nicht empfehlenswert für intelligente und weltoffene junge Leute machen.   Sowohl die Landesbetriebsleitung, als auch der BDF können grundsätzlich von einer rechtzeitigen Zusammenarbeit in der Ausgestaltungsfrage nur profitieren. Diese muss sich aus unserer Sicht  in erster Linie an den Interessen beider Seiten, der Nachwuchskräfte und des Landesbetriebs, aber auch  an der Praxistauglichkeit des ganzen Projekts nicht zuletzt für die Gestaltung der Zukunft des Berufsbildes orientieren.

In diesem Sinne hat dieser Brief nicht nur informativen Charakter, sondern ist auch ein erneutes Angebot zur Zusammenarbeit bei der Gesamtkonzeption.

In der Erwartung Ihrer Antwort auf die umfangreichen Fragen
mit freundlichen Grüßen
für den Vorstand

Dr. Gero Hütte-von Essen(Landesvorsitzender)

 

 

Stand: 29. Mai 2018