BDFaktuell 01 / 2014

BDFaktuell 01 / 2014
Beamtenstatus als Maßnahme der Personalbindung und Sicherung der Organisationsstabilität?

Zugegeben, es liegt nicht auf der Hand. Aber was ist das vielbeschworene dauerhafte Dienst- und Treueverhältnis anderes, als der Wille des Dienstherrn, langfristige Personalbindung zu sichern?

Max Weber beschreibt dies in seiner Darstellung der Grundlagen der bürokratischen Herrschaft mithilfe des Beamtentums so: „Es besteht, wenigstens in den öffentlichen und in den ihnen nächststehenden bürokratischen Gebilden, zunehmend aber auch in anderen, normalerweise Lebenslänglichkeit der Stellung“ (Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen, 5. Auflagen, S. 555).

Der Dienstherr braucht dieses: Er kann es nicht zulassen, dass ihm insbesondere seine Hoheits- und Geheimnisträger durch materielle Anreize abgeworben werden.

Die dauerhafte Bindung sichert die Neutralität und Unabhängigkeit der Amtsführung und damit die Stabilität der Organisation. Für den Beamten ist die Möglichkeit des Wechsels fast ausgeschlossen. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit der Korruption systemimmanent minimiert. Es ist gegenüber Partnern kein Entgegenkommen im Hinblick auf einen zukünftigen Wechsel sinnvoll.

Die dauerhafte Bindung sichert auch die Erhaltung der Fachkompetenz in der Organisation. Gerade die öffentliche Verwaltung mit ihren langen fachlichen Vorbildungs- und Sozialisationszeiten erleidet mit jedem Wechsel große Verluste.

Das gegenseitige Bewusstsein der Dauerhaftigkeit der Dienstbeziehung zu Vorgesetzten, Kollegen und weisungsgebundenen Mitarbeitern gibt dem Beamten die Sicherheit, auch unbequeme Regeln gegen Widerstände durchsetzen zu können. Er handelt im sicher nachhaltigen Gefüge seiner Organisation mit der langfristigen Rückendeckung seiner Kollegen. Keiner kann die Seiten wechseln.

Der wesentliche materielle Garant für die Dauerhaftigkeit der Beziehung ist nicht die finanzielle Vergütung – zumal diese nicht selten in Anbetracht der langjährigen Vorbildung häufig gering erscheint – es ist die Hoffnung auf die Pension, oder, besser gesagt, die Angst vor dem Verlust der Pensionsansprüche. Diese Erkenntnis führte schon im 19. Jahrhundert bei großen Industriebetrieben, die ihre Facharbeiter binden wollten, zur Einführung von anwachsenden Betriebsrentenansprüchen.

Der Beamtenstatus mit Pensionshoffnung ist die sicherste und preiswerteste Art der Personalbindung. Es ist ein großer Verlust, dass gerade einige der besten und mobilsten unserer jungen angestellten Kollegen wegen geringfügiger aktueller Verbesserungen unsere Organisation verlassen. Sie haben es leicht: Kranken- und Altersversorgung sind „outgesourced“ und somit ist es möglich, sich ganz auf aktuelle, greifbare Verbesserungen zu konzentrieren.

Als Beamter wäre manch einer der nun für die Organisation Verlorenen noch Hessen-Förster. 
 

 

Stand: 29. Mai 2018