BDFaktuell 05 / 2010

Jahreshauptversammlung 2010 - eine Lanze für den Forstbeamten

Am 19. April 2010 fand in der romantischen Hessenmühle bei Fulda die diesjährige Jahreshauptversammlung des BDF Hessen statt. Der Morgen war wie immer dem Verbandsteil gewidmet, der Nachmittag einem Vortrag durch den dbb Landesvorsitzenden Walter Spieß zum Berufsbeamtentum. In Stellvertretung des längerfristig verhinderten Vorsitzenden, Dr. Manfred Johann, leitete Werner Schaaf durch die Sitzung. Der nachmittägliche Vortrag von Herrn Spieß zur Win-Win-Situation von Beamten in Landesbetrieben sowie zur Entwicklung des neuen Dienstrechts für Beamte fand nicht in allen Punkten Zustimmung, sodass sich im Anschluss eine rege Diskussion entspann. Hierbei unterstützte der einzige anwesende Landtagsabgeordnete, Manfred Görig (SPD) das Anliegen des BDF, den Status des Forstbeamten in der bisherigen Form zu erhalten. Auch die Ministerialforstab-teilung und der Forst-Staatssekretär scheinen dieses Ziel nach Aussage der Diskutanten zu unterstützen. Die Landesbetriebsleitung sei allerdings noch zu überzeugen.

Ein ausführlicherer Bericht über die Hauptversammlung folgt in einer der nächsten Ausgabe von BDFaktuell.

 

 

BDFaktuell 05 / 2010
Das Einheitsforstamt als konsensbildende Institution

Dr. G. Hütte von Essen

Über die Vorzüge des Einheitsforstamts bezüglich der optimierten Wirtschaftlichkeit sowohl bei Waldbesitz in Gemengelagen (verminderte Fahrzeiten, gemeinsame Verwaltungsstrukturen, einheitliche Aus- und Fortbildung, gemeinsame Forschungsinstitutionen u.v.m.) wie auch bezüglich der effizienten Funktionenwahrnehmung (Multifunktionalität auf gleicher Fläche) wurde bereits vielfach veröffentlicht.' Nicht umsonst gehört die Vermeidung von Parallelverwaltungen, d.h. das „arbeitsteilige Fachbeamtentum"2 zu den Grundsätzen moderner Bürokratie.3 Dennoch wird in jüngster Zeit in einigen Landesforstverwaltungen mit Modellen experimentiert, die die Trennung von Waldeigentumsformen und Funktionen zum Ziel haben. In diese Richtung zielt auch der jüngste Vorschlag von Bode.4
Jenseits dieser eher wirtschaftlich, teilweise auch traditionalistisch basierten Argumentation soll im Folgenden der Fragestellung nachgegangen werden, wie die Bildung eines Konsenses bezüglich der differierenden Ansprüche an den Wald optimiert werden kann. Den Grundkonsens der Gesellschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln ist eine der vornehmsten Aufgaben der drei staatlichen Gewalten. Hierbei ist allerdings in der Demokratie gerade die Legislative gefährdet durch das Prinzip der Opposition, deren Erfolg auf Dissens fußen muss.
Umso wichtiger ist es für die legislative Mehrheit, sich auf eine Verwaltung
stützen zu können, die zur Konsensbildung fähig ist.
Dies wird in der Regel durch Fachverwaltungen gewährleistet, die, innerhalb der Exekutive konkurrenzlos, die fachliche Meinungsführung erringen (nach Max Weber: „bureaukratische Verwaltung bedeutet: Herrschaft durch Wissen"5) und so in fach-, amts- und personaler Autorität die vorgegebene Linie umsetzen können.
Es ist folglich erstens zur Konsensbildung hilfreich, wenn in der Exekutive die Fachautorität in nur einem Verwaltungsstrang gebündelt ist. Damit wird verhindert, dass sich konkurrierende, teilweise widersprechende Fachdiskurse und Fachmeinungen ausbilden6, die in Nicht-fachkreisen zu Unsicherheit führen und die Fachautorität der Exekutive insgesamt wie auch der Legislative schwächen. Vollends schwierig würde es, wenn sich der regierungsbildende Teil der Legislative auf einen Teil der Fachverwaltung stützte und der oppositionelle Teil der Legislative sich auf den konkurrierenden Teil der Fachverwaltung berufen könnte. Dies wäre bei Trennung des Waldnaturschutzes von der Waldwirtschaft durchaus nicht abwegig, aber auch bei allen anderen Waldfunktionen könnte es bei administrativer Trennung zu differierenden Fachmeinungen führen, beispielsweise bei der Trennung von Hoheit und Wirtschaft, bei Trennung von Privatwaldbetreuung und öffentlicher Waldwirtschaft, bei Trennung von Walderholung und Waldjagd und vielem anderen mehr. Hier bietet die einheitliche Forstverwaltung, gestützt auf die fundierte wissenschaftliche und Fachbildung die Möglichkeit einen in Grenzen flexiblen Fachkonsens zu erhalten, der nicht durch Fachkonflikte innerhalb der Staatsautoritäten gestört wird.
Zur Konsensbildung ist zweitens hilfreich, wenn die Fachverwaltung gewisse Spielräume in einer Multifunktionalität besitzt. Dies eröffnet ihr die Möglichkeit der Schwerpunktbildung, wie beispielsweise der Forstverwaltung in den 70er-Jahren im Erholungsbereich oder in den 80er- und 90er-Jahren im Bereich des Natur-und Umweltschutzes. Dadurch gewinnt
sie an Anpassungsfähigkeit und Stabilität und wird geschützt vor Marginalisierung, einer Gefahr, der monofunktionale Fachverwaltungen stets unterliegen, wenn ihr Themenschwerpunkt der öffentlichen Diskussion entzogen ist bzw. das grundlegende Problem - auch durch gute Verwaltung - als endgültig gelöst erscheint.
Eine Herausforderung für die Konsensbildung ist drittens die Rolle der Verbände. Verbände sind i.d.R. mehr oder weniger monothematische Interessengruppierungen, die ihre Legitimation aus der Unzufriedenheit, d. h. dem Dissens ihrer Mitglieder bezüglich eines bestehenden oder erwarteten Zustands erhalten. Sie haben somit zwar eine wichtige Funktion für die Meinungsbildung, auch für die kontrollierte Sammlung von Unzufriedenheit und Einbringung in den politischen Prozess, sowie auch für Innovation und Weiterentwicklung, stellen aber für die Konsensfindung eine grundlegende Schwierigkeit dar. Bei konkurrierenden Fachverwaltungen drängen die jeweiligen Clientelverbände zu profilierten Stellungnahmen und somit zu einem Dissens unter den Administrationssträngen. Die multifunktionale Einheitsverwaltung dagegen hat die Möglichkeit, die konkurrierenden Interessen auszutarieren und einen flexiblen Kompromissweg zu beschreiten.
Hierbei ist die Institution der Beiräte hilfreich, in der profilierte Vertreter der unterschiedlichen Interessengruppen zu-sammengefasst sind. In der Moderation der Beiratsversammlungen hat der Behördenleiter die Chance, gemeinsam akzeptierte Kompromisse zu finden. Dies erleichtert im Einheitsforstamt die Konsensbildung gegenüber getrennten Verwaltungen die jeweils von ihren Clientel-verbänden zu differierenden Argumentationsmustern gedrängt werden.
Die Aufzählung ist so unvollständig wie die Vielfalt der Praxisfälle. Sie zeigt aber deutlich die dauerhaft konsensstiftende Funktion des Einheitsforstamts im Gegensatz zu parallelen, monofunktionalen Verwaltungen.
Selbstverständlich ist die Aufbauorganisation nur das zweckdienliche Gerüst, das von den handelnden Personen bewegt werden muss. Eine besondere Verantwortung kommt in diesem Zusammenhang dem Leiter der Einheitsbehörde zu. Er muss sich in die verschiedenen Interessen hineindenken können, sich das nötige Fachwissen zu Moderation und Entscheidung verschaffen und die Fähigkeit und den Willen zur flexiblen Moderation haben. Sagl spricht in diesem Zusammenhang von einem komplexen Stellentyp.7 Schließlich muss er die Autorität besitzen, den getroffenen Konsens gemeinsam mit seiner Verwaltung und den beteiligten Interessengruppen umzusetzen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Kon-sensfindung ist am größten, wenn fachlich nahe stehende Bereiche unter einem Dach gebündelt sind und im ständigen Austausch stehen. Dies ist im Einheitsforstamt der Fall.

1 Z.B. Nießlein. E. (1985): Forstpolitik, Ein Grundriß sektoraler Politik, Verlag Paul Paray, S. 106 ff
2 Weber, M. (1980): Wirtschaft und Gesellschaft, Mohr, S. 831
3 Mayntz, R. (1985): Soziologie der öffentlichen Verwaltung, Müller, Juristischer Verlag, S. 110
4 Bode, W. (2009): Projektskizze „Bürgerwald"
5 Weber, M. (1980): Wirtschaft und Gesellschaft, Mohr, S. 129
6 Hütte, G. (1999): Nachhaltigkeit im europäischen naturschutz- und forstfachlichen Diskurs, Cuvillier Verlag, S. 242
7 Sagl, W. (1993): Organisation von Forstbetrieben, Verlag Paul Parey, S. 82

 

BDFaktuell 05 / 2010
Neue Wildbergehilfe des BDF

BergehilfePünktlich zum Beginn der Jagdsaison gibt der BDF Hessen eine Bergehilfe als Werbemittel heraus.

Die reißfeste Bergehilfe ermöglicht die Bergung auch schwereren Wildes bis 70 kg durch den Schützen alleine.

Sie kann für 15 € bei der Geschäftsstelle bezogen werden.

 

 

 

 

29. Mai 2018