BDFaktuell 02 / 2010

GESUNDHEITSVORSORGE      Lyme – Borreliose

Download BeitrittserklärungVortrag von Dr. Wolfgang Heesch anlässlich der Jahreshauptversammlung in Witzenhausen

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1975 fiel erstmals Dank der Aufmerksamkeit zweier Mütter auf, dass es in der Gemeinde Lyme in Connecticut zu einer Häufung von Arthritiden bei Kindern gekommen war. Nähere Untersuchungen zeigten, dass ein Zeckenstich und in etwa 25 % der Fälle den Beschwerden eine ringförmige Rötung vorausgegangen waren. Man nahm zunächst an, dass durch den Zeckenstich Viren übertragen wurden. Später, nachdem Penicillin half, verließ man diese These und vermutete Bakterien als Ursache des Krankheitsbildes. Willy Burgdorfer, ein schweizerischer Rickettsienspezialist entdeckte schließlich im Mitteldarm der Zecke eine Spirochäte, die ihm zu Ehren in 1983 auf dem 1. Lyme-Desease-Symposium nach ihm benannt wurde: Borrelia burgdorferi. Biologie

Die Lyme Borreliose ist eine von Zecken übertragene Multiorgankrankheit. Die Rate an Neuerkrankungen pro Jahr wird auf 150.000 geschätzt. Im Vergleich dazu ist die Rate an FSME-Erkrankungen pro Jahr von ca. 450 als äußerst gering einzuschätzen.

Die Zecke ist der einzige Vektor, der für die Übertragung der B. burgdorferi auf Mensch und Tier nachgewiesen wurde.

Der Lebenszyklus der Zecken verläuft in mehreren Stadien (siehe Abb.1 ). Zwischen den einzelnen Stadien ist eine Blutmahlzeit notwendig. Als Wirt kann u.a. der Mensch dienen.

Aus dem Ei entwickelt sich die Larve, aus der Larve die Nymphe, aus der Nymphe die adulte Zecke. Man schätzt, dass die Larven zu 4,5 % mit Borrelien infiziert sind, die Nymphen zu 10 % bis 25 % und die adulten Zecken zu 10 – 40 – 67 %.

Etwa 68 % der Infektionen werden von Nymphen und nur etwa 25 % von adulten Weibchen verursacht. 2 % bis 6 % der von einer infizierten Zecke gestochenen Personen erkranken an einer Borreliose. Allerdings wird die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr auf etwa 150 000 geschätzt.

Es gibt im wesentlichen drei humanpa thogene Spezies: B. burgdorferi sensu stricto, B. afzelii u. B. garinii, wobei die B. burdoferi s.s. eher die Gelenke befällt, die B. afzelii eher für die Hautveränderungen und die B. garinii eher für Erkrankungen des Zentralnervensystems verantwortlich sind.

Anamnese, Labor und Klinik

Wichtig wie bei jeder anderen Erkrankung ist die sorgfältige Erhebung der Krankheitsvorgeschichte. Fragen nach dem Beruf, nach dem Freizeitverhalten, nach der Erinnerung an einen möglichen Zeckenstich, nach dem Ort des Stiches, nach Veränderungen der Stichstelle und nach Beschwerden, in den Tagen oder Wochen nach dem Stich sind oft richtungsweisend.

Frühestens sechs Wochen nach dem Stich einer mit Borrelien infizierten Zecke sind IgM-Antikörper im Blut nachweisbar mittels des ELISA oder EIA. Da dieser Suchtest aber in bis zu 15 % der Fälle trotz bestehender Borrelieninfektion negativ ausfallen kann, sollte bei begrün-
detem Verdacht immer auch der Westernblot, der Bestätigungstest gemacht
werden. Auf weitere Testverfahren ( ITT oder EliSpot), die keine Kassenleistung
sind, will ich hier nicht näher eingehen.

Die Erkrankung wird in drei Stadien eingeteilt:
1. das lokale Frühstadium (Stadium 1)
2. das disseminierte Frühstadium (Stadium 2)
3. die chronische Borreliose (Stadium 3)

Im Stadium 1 kommt es in etwa 20 % bis 40 % zum Auftreten eines Erythema migrans (Abb. 2 bis 4), es treten grippeähnliche Symptome auf, man beobachtet ein ATW-Syndrom (alles tut weh), es kann bereits zu flüchtigen Gelenkschmerzen kommen, in 4 % kann ein Lymphozytom
auftreten am Ohr, der Mamille oder im Bereich des Skrotum (Abb. 5).

Das Stadium 2 der Erkrankung ist gekennzeichnet durch den Befall mehrerer Organsysteme mit einem wechselhaften Beschwerdebild. Die Symptome „kommen und gehen“ ohne und mit Therapie.

Das Stadium 3, die chronisch persistierende Borreliose, ist gekennzeichnet durch den gleichzeitigen Befall mehrerer Organsysteme, was zu den nachfolgend aufgeführten Beschwerden führt:

Vegetative Symptome:
Schweißausbrüche, vor allem Nachts, eine allgemeine Ermüdbarkeit, geringe Belastbarkeit, Frösteln, Frieren „bis auf die Knochen“, grippeähnliche Beschwerden, Appetitveränderungen,
rezidiv. Fieberschübe in bestimmten Zeitabständen.


Kardiale Symptome
Herzrhythmusstörungen, vor allem nächtliche Tachycardien, passagere Schenkelblockbilder, Erregungsleitungsstörungen mit passagerem AV-Block I. u. II. Grad, Blutdruckanstieg.


Magen-Darm-Beschwerden
Uncharakterist. Oberbauchbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Krämpfe, Durchfall. Alkoholunverträglichkeit und neu aufgetretene Allergien.


Musculo-skelettale Beschwerden
multilokuläre, wandernde Schmerzen, vor allem der großen Gelenke (eher in Ruhe und nachts auftretend), Muskelschmerzen wie bei Muskelkater oder plötzlich einschießend, messerstichartig, Schienenbein-Fersenschmerz, Nacken-, Kopfschmerz mit Ausstrahlung in die Schultern, Sehnenschmerzen vor allem der Achillessehnen, Beschwerden wie bei Carpaltunnelsyndrom, Fußsohlenschmerz (Plantarfasciitis), Epicondylopathien (Tennisarm), atemabhängige Thoraxschmerzen, LWS- und BWS-Beschwerden, vor allem nachts.

Neurologische Beschwerden


A. Störungen der Hirnfunktion

a) Kognitive Defizite, Merkschwäche, Konzentrationsstörungen, Denkblockaden, Verdrehen der Buchstaben am PC
b) Psychische Veränderungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Abgeschlagenheit, Antriebsschwäche

B. Störungen der Hirnnerven mit Paresen

Im Grunde können alle der 12 Hirnnerven befallen werden, ich will hier nur den N. trigeminus (Dys- u. Paraesthesien perioral, Wange u. Gaumenbereich), den N. facialis (Gesichtslähmung, ein- o. doppelseitig) und den N. statoacusticus/vestibulocochlearis (Hyperakusis, Hörverlust, Schwindel, Tinnitus) erwähnen.

C. Störungen des peripheren Nervensystems (Bannwarth Syndrom)

Auftreten: Wochen bis Monate nach Zeckenstich bei 15 % der unbehandelten Borrelieninfizierten (im Liquor nur in 30 % borrelienspezifische AK nachweisbar)

Es gibt drei Typen:
den cranialen Typ mit Kopfschmerzen, Nackensteife und Hirnnervenausfällen,den cranio-caudalen Typ mit Extremitäten- und Hirnnervenbeteiligung, z. B. Paresen der Bauchwand und den Extremitäten Typ mit WS-Schmerzen wie bei BSV, aber nicht unter Belastung, sondern mit nächtlichem Maximum.


Endokrinologische Veränderungen
Hypercholesterinämie, latente Hypothyreose, Autoimmunthyreoiditis, Veränderungen des Serotoninstoffwechsels, Veränderungen des Cortisolspiegels, Blutdruckveränderungen, vor allem hypertone Werte, Erhöhung des TNF im Serum im Rahmen einer Herxheimer-Reaktion, Gewichtszunahme bei erhöhter Insulinresistenz.

Urogenitale Veränderungen
Libidoverminderung, Potenzstörungen, Menstruationsstörungen, rez. Entzündungen von: Prostata, Hoden, Ovarien, Vagina und Blase

Rezidiv. Entzündungen an allen Abschnitten des Auges:
Bindehaut, Hornhaut, Netzhaut, des N. opticus, Augenmuskelentzündungen.

Beteiligung der Haut:
rot-fleckige Hautveränderungen bes. im Dekolleteebereich, Störungen der Hautdurchblutung: Wechsel von Vasokonstriktion mit reaktiver Hyperämie, akneartige Pustelbildung am ganzen Körper, Acrodermatitis chronica atrophica.

Therapie der Borreliose

1. Antibiose
2. Ernährungsumstellung (entzündungshemmende Ernährung)
3. Nahrungsergänzung
4. Änderung der Lebensumstände
5. Schmerztherapie

1. Antibiose

a) Monotherapie

Cefotaxim 3 x 4 g
Ceftriaxon 1 x 2 – 4 g
Benzathin-Penicillin G 1,2 Mill. 2 x wöchentl.
Minocyclin 2 x 100 mg
Doxycyclin 2 x 200 mg
Azithromycin 1 x 500 mg
Clarithromycin 2 x 500 mg
Metronidazol 3 x 400 mg
Hydrochloroquin 1 x 200 mg


Dauer: drei bis sechs Monate, bei Unwirksamkeit frühestens nach sechs Wochen, spätestens nach acht Wochen wechseln.


b) Kombinationstherapie
Minocyclin 2 x 100 mg

oder
Clarithromycin 2 x 500 mg
plus
Hydrochloroquin 2 x 200 mg

oder
Roxithromycin 150 mg 2 x 1 Tbl.
Infectotrimet 100 mg 2 x 1 Tbl.

über 42 Tage

Ab 10. Tag
Colestyramin 2 x 2 Btl.
Nach Ende der Therapie kann eine gepulste Therapie nach zehntägiger Pause angeschlossen werden, d. h. fünf Tage Therapie wie oben, dann zehn Tage Pause, insgesamt fünf Zyklen.


2. Ernährungsumstellung

Wiedererlangung der Homöostase
Stärkung des Immunsystems
Beendigung der chron. Entzündung,
dadurch Linderung und Beseitigung der
Beschwerden


3. Nahrungsergänzung

Vitamine
Vitamin A, Vitamin B-Komplexe,
Vitamin C, Vitamin D, Magnesium, CoEnzym Q10
Essentielle Fettsäuren (Omega 3 und Omega 6)
Probiotika
Acidophilus B (Lactobacillus)
Bifidus B
Sacchromyces boulardi


4. Änderung der Lebensumstände

Verzicht auf Alkohol und Nikotin
Regelmäßige körperliche Betätigung
Ausreichender Schlaf


5. Schmerztherapie

Bei muskuloskelettalen Schmerzen:
NSAR, Muskelrelaxantien, Morphine
Bei neuropathischen Schmerzen:
Gabapentin, Pregabalin, Dulexetin
Bei psychovegetativen Störungen:
Opipramol, Amitryptilin, Doxepin,
Trimpramin

Folgende Krankheiten können noch von der Zecke übertragen werden

FSME (Frühsommermenigoencephalitis)
Bartonellose (Katzenkratzkrankheit)
Babesiose (Hundemalaria)
Tularämie (Hasenpest),
Q–Fieber
Ehrlichiose
Rickettsiose

Neben der Borreliose können so genannte Coinfektionen bestehen, welche die Therapie der Borreliose schwieriger gestalten können:
1. Chlamydien

a) Chlam. pneumoniae
b) Chlam. trachomatis
c) Chlam. psittaci

2. Yersinien

a) Y. enterocolitica
b) Y. pestis
c) Y. pseudotuberculosis

3. Mycoplasmen

Ausblick

Wie dargelegt handelt es sich bei der Borreliose um eine Multiorganerkrankung mit vielen verschiedenen Gesichtern. Sie wird wegen ihrer Vielgestaltigkeit oft auch als ein Chamäleon bezeichnet. Noch allzu oft wird an diese Erkrankung nicht gedacht.


Dank der Deutschen Borreliose Gesellschaft e.V., in der sich eine große Anzahl engagierter Kollegen zusammengefunden haben, und vieler, regional und überregional tätiger Selbsthilfegruppen sollte es in Zukunft gelingen, das Krankheitsbild der Lyme Borreliose mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und auch meiner Kollegen zu bringen.

 

BDFaktuell 02 / 2010
Erhöhte Dienstzimmerentschädigung seit Januar 2010

Manch einer wird positiv überrascht seinen Kontoauszug für Januar 2010 studiert und dabei festgestellt haben, dass die Dienstzimmerentschädigung teilweise fast verdoppelt wurde. Dies ist das Ergebnis einer Initiative des BDF Hessen über den Gesamtpersonalrat.

Tatsächlich zahlte die Landesforstverwaltung über etwa 20 Jahre unverändert einen Satz von 31 € pro Monat, aus dem Heizung, Strom, Reinigung und Möblierung abgedeckt werden sollten. Die steigenden Kosten u.a. für Energie blieben dabei unberücksichtigt.

Diese Problematik aufgreifend startete der BDF Hessen im Jahr 2008 eine Umfrage, die teilweise erhebliche Missverhältnisse zwischen tatsächlichem Aufwand und Entschädigung aufzeigte. Diese lagen zwischen 10 und 91 € pro Monat.
Dies bedeutete einen jährlichen Zuschuss der Inhaber häuslicher Arbeitszimmer zwischen 132 und 1092 € (bdf-aktuell berichtete in der Ausgabe 12/2008).

Über den GPR konnte nun erreicht werden, dass die Dienstzimmerentschädigung mit Stichtag 1. Januar 2010 den aktuellen Kosten angepasst wurde. Zukünftig soll die Anpassung der Entschädigung im dreijährigen Rhytmus an den Verbraucherpreisindex erfolgen.

Die seit 1. Januar gültigen Entschädigungssätze zeigt die folgende Tabelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

Stand: 29. Mai 2018